Pacific Salmon Flies

King/Chinook     Pink/Humpy     Sockeye/Red

Lachsfliegen – bei diesem Wort sieht man automatisch die farblich sehr auffälligen, wohlproportionierten und wunderschön gebundenen Streamer vor den Augen. Uns bekannt und entstanden sind diese Streamer Anfangs der 1900er Jahre und sie waren für die Fischerei auf den Atlantischen Lachs gedacht. Dieser Lachs war noch zahlreich an Europas Küste und in den Flüssen vorhanden und damit auch erreichbar. Im Gegensatz dazu war Alaska für die allermeisten Europäer weder bekannt noch irgendwie erreichbar. Was uns heute als selbstverständlich erscheint uns aber eigentlich bewusst sein sollte: Interkontinentalflüge gibt es erst seit den 1960er Jahren und für jedermann erschwinglich sind sie auch heute noch nicht wirklich…

Der Pazifische Lachs unterscheidet sich in einem Punkt grundlegend vom Atlantischen Lachs. Der Atlantische Lachs steigt mehrere Male in seinem Leben in seinen Heimatfluss auf, um sich dort fortzupflanzen und anschliessend wieder ins Meer abzusteigen. Er nimmt im Süsswasser Nahrung zu sich und verhält sich prinzipiell wie ein Salmonide also z.B. wie eine Forelle. Der Pazifische Lachs dagegen steigt nur ein einziges Mal in seinem Leben vom Salzwasser in seinen Heimatfluss auf, um sich dort fortzupfanzen und anschliessend zu sterben. Dabei nimmt er im Süsswasser prinzipiell keine Nahrung mehr zu sich.

Um den Pazifischen Lachs trotzdem an den Haken zu kriegen, muss sein Bissreiz ausgelöst werden können. Dies geschieht vielfach mit sehr auffälligen – für uns Europäer eher schrillen und ungewohnten Köderfarben oder mit Mustern die nichts aber auch gar nichts der natürlichen Beute der Lachse gemein zu haben scheinen. Es ist auch nicht das primäre Ziel, die natürliche Beute des Lachses so genau wie möglich nachzubilden, sondern es geht einzig und allein darum, den Lachs in seinen letzten Statium seines Lebens noch legal – das heisst im Maul gehakt – an den Haken zu kriegen. Und dies ist nur zu erreichen, indem seine Aufmerksamkeit geweckt und er zum Biss verleitet werden kann – wie und mit was auch immer. Bei den King-, Silber-, Hunds- und Buckellachsen ist dies noch vergleichsweise einfach, bei den Rotlachsen braucht es je nach Gewässer schon ein bisschen mehr Kenntnisse und vor allem Geduld…

Dabei kann zwischen zwei Typen von Streamern unterschieden werden:

  • Einfach und schnell zu bindende, günstige Muster
  • Anspruchsvoll und zeitaufwendig zu bindende, teure Muster

Ich binde beides, wobei mich natürlich die aufwändigeren Muster mehr reizen als die Einfachen. Auf meinen Alaska-Reisen habe ich auch immer beide Typen bei mir und angle auch beides. Dabei kann beobachtet werden, dass die einfacheren Muster anfänglich in der Regel effektiver sind als ein aufwändig gebundenes Muster. In unserer auf Erfolg und Effizienz getrimmten Zeit stellt sich an dieser Stelle automatisch die Frage: Warum denn überhaubt aufwändig zu bindende Muster binden, wenn diese nicht so effizient sein sollen, wie die einfachen Muster?

Aufwändigere Muster sind in der Regel auf bestimmte Situationen oder Köderführungen abgestimmt und bedürfen damit auch einem etwas grösseren Aufwand und dies nicht nur bei der Herstellung sondern auch bei dessen Anwendung. Es macht aber umso mehr Freude, wenn mit einem aufwändigeren Muster schlussendlich ebenso erfolgreich geangelt werden kann. Dafür ist in der Regel etwas Experimentierfreudigkeit nötig – meist liegt der Erfolg allein am Zeitpunkt oder in der Art und Weise der Köderpräsentation. Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Weil es einfach Spass macht…

Ich werde hier einfach wie auch aufwändig zu bindende Streamer vorstellen und detailliert beschreiben. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass alle aufgeführten Muster von mir selber gebunden und auch geangelt werden. Folgenden Grundsätzen folge ich:

  • Verwende keine echten Dschungelhahnfedern (geschützter Vogel) / Don’t use real jungle cock feathers (protected bird)
  • “Zu schön um damit zu angeln” existiert nicht! / “Too pretty to fish” doesn’t exist!
  • Schlussendlich entscheidet nur der Fisch … / Only the fish decides finally…

Dass ich die Streamer auch selber angle bedeutet, dass ich mich auch auf die von mir beangelten Lachsarten beschränken werde. Ich war bis anhin jeweils im Juli in Alaska und hatte die Möglichkeit, King’s (Kinglachs), Pink’s (Buckellachs) und Sockeye (Rotlachs) zu fangen. Coho (Silberlachs) und Chum/Keta (Hundslachs) sind zu dieser Zeit noch nicht im Fluss und auch Steelheads sind nicht present. In wie weit die von mir vorgestellten Muster auch für Silber- und Hundslachse wie auch Steelheads zu gebrauchen respektive wie effektiv sie sind, kann ich nur annehmen aber nicht mit Sicherheit sagen. Ob ich in Zukunft die Gelegenheit haben werde, auch die restlichen zwei Lachsarten und auch Steelheads zu beangeln, weiss ich nicht.

Allgemeines zu Lachsfliegen

Wer sich mit dem Fliegenbinden und im Besonderen mit Lachsfliegen auseinander setzt, sieht sich mit einer Vielzahl von meist englischen Begriffen konfrontiert. Hier soll nicht nur mit diesen Begriffen um sich geschlagen werden sondern diese auch so gut wie möglich erklärt werden. Der Begriff wird dabei in der Originalsprache belassen, die Erklärungen/Erläuterungen werden so weit wie möglich in deutscher wie auch englischer Sprache ausgeführt.

Anatomie einer Lachsfliege / Anatomy of a salmon fly

HOOK – HAKEN

Je nachdem für welche Art von Fliegen der Haken gedacht ist (Nass, Trocken, Doppel- oder Dreifachhaken) ist er in verschiedenen Drahtstärken ausgeführt – dünnere Drähte für Trockenfliegen und dickere, schwerere Drähte für Nassfliegen, Streamer. Die Grösse der Haken variiert zwischen 5/0 und 10, wobei 5/0 den grössten Haken repräsentiert. Die Nummerierung und damit die Grössenbezeichnung der Haken ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Der eine Bereich kennzeichnet sich mit einer zweistelligen Grössenangabe, wobei die beiden Stellen durch einen Trennstrich voneinander getrennt werden wie z.B. 3/0. Je grösser die erste Ziffer ist desto grösser ist der Haken. Der zweite Bereich weist nur noch eine einzelne Zahl auf und der Trennstrich fehlt. Hier gilt, dass je grösser die Zahl ist, desto kleiner ist der Haken. Welcher Haken nun für welche Fliege benutzt wird, liegt in der Regel an der Art der Fliege oder beim Benutzer der Fliege. Als Faustregel gilt, dass für Nassfliegen ein Haken benutzt wird, der schwer genug ist, dass die Fische in derjenigen Tiefe erreicht werden können, in der sie sich aufhalten. Wird mit Trockenfliegen geangelt, soll der Haken so leicht sein, dass die Fliege schwimmen kann aber er soll so stark sein, dass auch grosse, starke Fische möglichst problemlos gehalten und gelandet werden können. Zudem muss der Haken scharf genug sein, dass er ohne Mühe ins Fischmaul eindringen kann. Die am meisten verwendeten Lachshaken sind normalerweise Schwarz und besitzen ein nach oben gebogenes Oer (turned up eye; TUE). Als Alternative dazu wird oft auch der Standardhaken für Nassfliegen mit nach unten gebogenem Oer verwendet (turned down eye; TDE).

Wichtige Hersteller von Lachshaken: Mustad, Partridge, Daichii, Tiemco

Teile des Hakens / hook parts:

Eye – Oer; Shank – Schenkel; Bend – Bogen; Barb – Widerhaken; Point – Spitze; Gape – Öffnung

Hakenfarben / hook colors:

Schwarz: Schwarz hat sich als Standardfarbe für Lachshaken etabliert.

Bronze: Wird gewählt, wenn der Haken vom Fisch so wenig wie möglich wahrgenommen werden soll. Bronze ist gegenüber den meisten Hintergrundfarben vom Fisch am Wenigsten wahrnehmbar – aus diesem Grund sind auch die meisten Forellenhaken bronzefarben!

Silber: Wird gewählt, wenn der Haken möglichst sichtbar sein soll. Verleit einem Muster einen besonderen Tick.

Gold: Die Schönwetterfarbe – wird bei Sonnenschein, klarem Wasser und in Kombination mit warmen Farben sehr auffällig und damit gut wahrgenommen. Auch ein goldener Haken verleit einem Muster einen besonderen Tick.

Rot: Wird für moderne Shrimp-Imitationen verwendet und die Farbe leistet einen Beitrag zur Natürlichkeit des Köders.

Kaum bekannt und entsprechend zurückhaltend eingesetzt sind die Farben Blau und Grün.

TAG – ANHÄNGSEL

Lachsfliegen und vor allem die aufwändiger zu bindenden Muster werden oft mit einem aus vier oder fünf Windungen mit flachem/ovalem Silber- oder Goldtinsel bestehenden „TAG – ANHÄNGSEL“ gebunden. Die Position des TAG befindet sich auf dem Hakenschenkel und überstreicht in der Regel den Raum oberhalb der Hakenspitze und dem Widerhaken. Manchmal wird das TAG auch mit einem „TIP – ZIPFEL“ verbunden/erweitert, welches mit Bindegarn ausgeführt wird. Das TIP ermöglicht ein punktuelles Verdicken des TAG und es wird auch ein grösserer Raum auf dem Hakenschenkel überspannt. TAG und TIP zusammen reichen meist ein wenig über den Widerhaken hinaus in den Hakenbogen hinein.

TAIL – SCHWEIF

Der Schweif (TAIL) besteht meist aus einigen Fasern von Schopffedern wie z.B. Goldfasanschopf. Die Länge des Schweifs sollte ungefähr anderthalb Mal so lange wie die Öffnung des Hakens betragen. Wird eine Goldfasanschopffeder verwendet so sollte eine ausgewählt werden, bei welcher die einzelnen Haare gut zusammenhalten und dabei eine schöne natürliche Kurve bilden. Die Feder wird so eingebunden, dass sich der Schweif vom Hakenschenkel löst. Um den Schweif in Position zu halten, kann die Feder mit ein wenig Leim (Sekundenkleber) fixiert werden. Der Schweif kann auch mit anderen Federn oder künstlichen Materialien gebildet werden.

BUTT – HINTERN

Der Hintern (BUTT) ist ein kurzes Segment, welches direkt ans Anhängsel (TAG) oder den Zipfel (TIP) und über den Schweif (TAIL) gebunden wird. Es besteht entweder aus Segmenten der Straussenfeder (Straussenhaar – Ostrich herl) oder bei kleineren Mustern aus Pfauengras (Peacock herl), welche es in den verschiedensten Farben eingefärbt zu kaufen gibt. Der Hintern (BUTT) sollte ungefähr 3 mm lang und die dafür benutzten Federn möglichst gerade sein.

RIBBING – RIBBUNG

Das Material für die Ribbung (RIBBING) wird nach dem Hintern (BUTT) eingebunden, aber erst eingebunden, wenn der Körper (BODY) beendet ist. Für die Ribbung wird in der Regel flaches oder ovales Silber- oder Goldlametta (Tinsel) verwendet. Dieses wird mit 4 – 6 Windungen als Spirale um den fertigen Körper gebunden und vor dem Körper auf dem Schenkel fixiert. Die Ribbung dient der Segmentierung des Körpers und das auffällige Material verleit dem Muster einen speziellen Reiz.

BODY – KÖRPER

Der Körper (BODY) wird nach dem Hintern (BUTT) auf den Schenkel (SHANK) gebunden und besteht in der Regel aus Seidenfaden (Floss), Wolle (Wool), Fell (Fur) oder Lametta (Tinsel). Der Körper wird vom Hintern weg  nach vorne gebunden, wobei eine gegen das Oer (EYE) hin konische Form erreicht werden sollte. Für einige Muster wird der Körper (BODY) bis rund 5mm hinter das Oer (EYE) gebunden und durch vor- und zurück binden des Körpermaterials die endgültige Form gefunden. Weisst ein Muster verschiedene Körpersegmente unterschiedlicher Farben oder Materialien auf, werden die einzelnen Segmente vom Hintern (BUTT) weg nacheinander auf das für sie vorgesehene Schenkelsegment gebunden.

WING – SCHWINGE/FLÜGEL

Die Schwinge / der Flügel (WING) ist genau das, was der Name sagt. Sie wird vom Anfang des Körpers (BODY) zum Hakenbogen (BEND) hin platziert – bei Nassfliegen (WET FLIES) nahe dem Körper (BODY), bei Trockenfliegen (TRY FLIES) nach oben d.h. vom Schenkel (SHANK) weg gerichtet. Die Schwinge kann aus einer Vielzahl von Materialien bestehen, manchmal aus einer Farbkombination eines einzigen Materials oder aus einer Kombination verschiedenster Materialien. Typische Materialien sind Tierhaare wie Bär, Fuchs, Eichhörnchen oder Kaninchen oder Flankenfedern verschiedenster Entenarten oder anderer Vögel.

TOPPING – DECKBELAG

Bei einigen Lachsfliegen wird eine Goldfasanschopffeder als Abschluss über die Schwinge (WING) gebunden. Dieser Abschluss wird “TOPPING – DECKBELAG” genannt, beginnt am Anfang der Schwinge, führt der Schwinge entlang und reicht bis zum Ende des Schweifs (TAIL). Mit einem Tropfen Sekundenkleber kann die Feder fixiert werden.

SHOULDER – SCHULTER

Die Schulter (SHOULDER) wird auf beide Seiten der Schwinge (WING) gebunden. Dabei werden meist sehr auffällige Materialien und Farben verwendet wie zum Beispiel die blau leuchtenden Körperfedern des Eisvogels (Blue Kingfisher), Teile der schwarzen Federn der Waldente (Wood Duck), Federn des Dschungelhahns (Jungle Cock) oder Imitationen davon. Die Schulter (SHOULDER) wird ab und zu auch als “CHEEK – WANGE” bezeichnet, wobei es auch Lachsfliegen gibt, die beides – eine Schulter und eine Wange – besitzen. Dabei wird die Schulter länger ausgebildet als die Wange und die Wange kommt auf der Schulter zu liegen. Eine Lachsfliege kann also eine Schulter, eine Wange oder beides besitzen.

THROAT – KEHLE

Für die Kehle (THROAT) werden normalerweise Halshechelfedern bestimmter Vögel verwendet und in Form eines Bartes an den “Hals” (Neck) der Fliege gebunden und es wird normalerweise die Spitze der Feder verwendet. Im Zusammenhang mit modernen Lachsfliegen hört man anstelle der Kehle (THROAT) den Ausdruck “COLLAR – KRAGEN“. Bei der Kehle und dem Kragen handelt es sich um die gleiche Sektion der Fliege aber um zwei unterschiedliche Ausführungen:

  • bei einem Kragen wird die Feder mehrere Male regelmässig um den Hakenschenkel gewickelt.
  • bei einer Kehle wird die Feder gebündelt und nach unten zur Hakenspitze zeigend eingebunden.

HORNS – HÖRNER

Die Hörner (HORNS) sind eine Spezialität der voll gebundenen Muster (Full dressed) und sie werden aus wenigen Fibern von Federn spezieller Papageienarten gebildet. Die Hörner schliessen ein Muster ab und reichen vom Kopf der Fliege durch den Schnittpunkt vom Deckbelag (TOPPING) und Schweif (TAIL) über die Schwinge (WING) hinaus. Die Hörner werden in der Regel als letztes Element eingebunden.

HEAD – KOPF

Der Kopf (HEAD) ist der Ort, wo alles zusammentrifft. Wird das Material  für Deckbelag (TOPPING), Schweif (TAIL), Schwinge (WING), Kehle (THROAT) oder Kragen (COLLAR) und Hörner (HORNS) vor dem Oer (EYE) nicht zu sperrig, wird Bindefaden um das gesamte Material und den Hakenschenkel gewickelt und damit ein gegen das Oer hin konisch auslaufender Kopf geformt. Die Kopffarbe kann variieren und wird entweder durch die Farbe des Bindefadens oder der Farbe des Lackes, mit dem der Kopf bestrichen wird, bestimmt.

Materialien

Die Beschreibung der Anatomie einer Lachsfliege soll nun nicht dazu verleiten, nur seltene und teure Materialien zu verwenden. Viele Tiere sind international geschützt und von einer Verwendung solcher Materialien ist daher abzusehen. Für diese natürlichen Materialien existieren heute eine ganze Reihe von Alternativen, ohne dass die Qualität respektive Effizienz eines Fliegenmusters leiden müsste. So wird bei modernen Lachsfliegen die Schwinge vielfach nicht mehr mit Federn sondern mit Haaren gebildet oder wenn Federn verwendet werden, dann wird mit gefärbten Hühnerfedern gearbeitet. Dies scheint für unsere Augen ein gewaltiger Unterschied zu sein und manch einer mag sich schwer damit tun, aber – es sind nicht wir, die schlussendlich über einen Köder entscheiden. Dies wird der Fisch sein und der betrachtet den Köder mit Sicherheit aus einem ganz anderen Winkel respektive mit anderen Augen als wir…

Haken: Hierzu gibt es einen einzigen Punkt zu erwähnen - Lachshaken sind nicht billig…

Auf die zum Binden benötigten Werkzeuge werde ich nicht im Detail eingehen. Ich gehe davon aus, dass diese Werkzeuge bekannt und vorhanden sind.